Marie-Luise Nikuta – Die kölsche Motto-Queen

Marie-Luise Nikuta – Die kölsche Motto-Queen

An Marie-Luise Nikuta scheiden sich die Geister: Manche Karnevalisten halten ihre traditionellen Lieder und Auftritte (wenn auch nur hinter vorgehaltener Hand) für überholt, während eine riesige Fangemeinde treu zu ihr steht. Was ist das Erfolgsgeheimnis der Sängerin, die seit mehr als sechzig Jahren auf der Bühne steht?

Die Dokumentation begleitet die Motto-Queen fast ein Jahr lang mit der Kamera und entdeckt viele unbekannte Seiten: (leicht chaotische) Familienausflüge mit dem Heißluft-Ballon, durchnässte Auftritte beim Christopher Street Day, feuchtfröhliche Karnevalsbegegnungen in Garderoben, etwas frivole Darbietungen auf Kleinkunstbühnen, exotische Feierlichkeiten in Namibia und hausbackene Partys im wahren Wortsinn.

Und schnell ein neues Lied

Schon 62 Jahre steht die Nikuta auf der Bühne, die sie als 13-Jährige erstmals mit dem heutigen Evergreen “M’r fiere Fastelovend” betrat. Doch Schule und Beruf gingen vor. Erst 1968, nach der Geburt ihrer Tochter, widmete sich Marie-Luise Nikuta ganz der Musik – und machte schnell Karriere.

Vor allem ein kleiner Trick half ihr dabei: Kaum hatte das Festkomitee an Karnevalsdienstag das Motto der nächsten Session verkündet, komponierte und textete die Nikuta das passende Lied dazu, und spätestens einen Tag später wurde es in der Lokalpresse präsentiert. Und die Nikuta wurde zur kölschen Motto-Queen.

Neuer Rhythmus, neue Fans

Sie ist lange dabei. Aber verstaubt und altmodisch ist Marie-Luise Nikuta deswegen lange nicht. Ihre Lieder sind in bester Karnevalstradition immer noch liebevolle Beschreibungen des Kölner Alltags. Aber den Rhythmus hat sie durchaus der heutigen Zeit angepasst.

Und sie hat sich engagiert und damit neue Fans gewonnen: Besonders die zahlreichen Kölner Schwulen und Lesben haben die Motto-Queen zu ihrem Idol erkoren, seit sie sich aktiv für Aids- und Demenz-Kranke einsetzt und 2003 sogar ein Mottolied für den Christopher Street Day geschrieben hat.

Bodenständig – aber alles andere als langweilig

Nachdem ihr Mann, ihre „rechte Hand“ und Manager, vor einigen Jahren starb, hat sie sich nicht unterkriegen lassen. Sie zieht ihr Karnevalprogramm weiter ohne Abstriche durch. Die 74-Jährige ist bodenständig, lebt immer noch in ihrem Reihenhaus in Köln.

Bei so viel Normalität scheint ein Blick hinter die Kulissen bei Marie-Luise Nikuta auf den ersten Blick vielleicht wenig spektakulär. Doch wer sie ein bisschen privat kennt, ahnt, dass ihr Leben zwar normal scheinen mag, aber manche Überraschungen bereit hält.

Ein Film von Holger Möllenberg und Christoph Simon
Redaktion: Heiner Backensfeld

Hier können Sie sich die komplette Dokumentation ansehen:

Marie-Luise Nikuta - Die kölsche Motto-Queen im WDR
Date

8. März 2016

Category

Künstler Porträt